Schultag "Einkommensalternativen" der Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen
Studierende besichtigen landwirtschaftliche Betriebe
Der Schultag „Einkommensalternativen“ ist fester Bestandteil des Unterrichts im Sommersemester an der Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen, Abteilung Landwirtschaft. Die angehenden „Staatlich geprüfte Wirtschafterinnen und Wirtschafter für Landbau“ besuchen dabei verschiedene landwirtschaftliche Betriebe.
Semesterleiter Peter Liebhardt wählte 2026 drei Betriebe aus, die sich stark unterscheiden, und organisierte vor Ort Gespräche, Betriebsführungen und konkrete Praxisbeispiele. Trotz verschiedener Kernbereiche verfügten die drei Höfe über eine Gemeinsamkeit: junge, dynamische Betriebsleiter, die mutig waren, ihre Visionen erfolgreich umzusetzen.
„Man muss immer lieferbereit sein“
Mit der Frage, wie man mit einem kleinen Hof und wenig Eigenfläche trotzdem wirtschaftlich etwas erreichen kann, beginnt die Geschichte vom landwirtschaftlichen Betrieb Karmann in Reichertshausen. Sebastian Karmann und seine Frau betreiben seit 2010 eine Forellen- und Saiblingzucht und ergänzen das Angebot seit 2020 mit Äpfeln, Birnen und Pfirsichen auf rund 7 Hektar. Der Hofladen sei bewusst nur freitags geöffnet, um Planungssicherheit zu gewährleisten, erklärte Karmann. Ein Fischbestand von rund 5.000 Tieren in verschiedenen Wachstumsphasen sichert die Lieferbereitschaft; verschiedene Obstsorten verlängern die Ernte- und Angebotszeit; beim Obstbau wird auf biologische Bewirtschaftung gesetzt. Karmann begründete dies so: „Biologischer Anbau rechnet sich auch auf kleinen Anbauflächen“ und er betonte die Ausrichtung auf den regionalen Markt statt auf den weltweiten Wettbewerb.
Die Betriebsführung zeigte konkrete Betriebsstrategien und Investitionen: gezielte Direktvermarktung, Sortenwahl für gestreckte Ernte sowie Anschaffung spezieller Unkrautbekämpfungsgeräte, um hochwertige Tafelobstqualität zu erzielen. Zusammenfassend erklärte Semesterleiter Peter Liebhardt, dass das Modell demonstriert, wie Diversifizierung und Vermarktungsplanung Ertragschancen für kleine Betriebe erhöhen. Betriebsleiter Karmann ermutigte die Studierenden abschließend zur Betriebsgründung bzw. Erweiterung; der Markt könne noch neue Pfirsich-Erzeuger aufnehmen.
„Man muss sich immer anpassen“
Der Schaibmaierhof in Entrischenbrunn in der Gemeinde Hettenshausen setzt auf Tierhaltung, eigene Hofmetzgerei und Direktvermarktung. Der Betrieb wird in vierter Generation bewirtschaftet. Stefanie Schrödl, die seit 2020 zusammen mit ihrem Vater den Betrieb führt, leitete den Hofrundgang und erläuterte Praxis und Zahlen: Ackerbau, Grünland und Wald ergänzen die Tierhaltung mit Strohschweinen und Mastrindern. Jeden zweiten Montag werden etwa acht Schweine direkt am Hof geschlachtet, zerlegt und im Hofladen verkauft; bei den Rindern erfolgen jährlich rund 13 Weideschlachtungen. Ziel des Betriebs ist wirtschaftliche Stabilität durch Qualität statt Masse sowie transparente Vermarktung für Endkunden. Auf Wunsch führt die Betriebsleiterin die Kunden über den Hof. Das stärke das Verbrauchervertrauen, erklärte sie. Den Studierenden empfahl sie außerdem, das Sortiment im Hofladen stets durch Produkte anderer regionaler Erzeuger zu ergänzen, um den Kundeneinkauf zu bündeln und die Vermarktung zu stärken. Entscheidende Grundlagen sind betriebswirtschaftliche Instrumente wie die Deckungsbeitragsrechnung. Als Absolventin der Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen habe sie das erst nach der Winterschule auf dem eigenen Betrieb realisiert. „Wenn es sich nicht lohnt, arbeitet man umsonst!“ ergänzte sie. Deshalb müsse man als Betriebsleiter Flexibilität mitbringen und sich an die Marktgegebenheiten anpassen. Jedes Wirtschaftsjahr verlaufe anders, so Schrödl zum Schluss.
„Man steht schon ordentlich unter Druck“
Abschließend ging es nach Kirchdorf an der Amper. Bio-Gemüsebauer Anton Naderer gründete 2012 die Gärtnerei. In einem modernen Gewächshaus baut Naderer hauptsächlich Gurken und Tomaten an. 24 Grad hat es in der Halle. Beheizt wird mit der Abwärme einer Biogasanlage, die von seinen Brüdern betrieben wird. Die Bodenheizung ermögliche es ihm, schon früh im Jahr anzubauen, erklärte er den 26 Studierenden. Trotzdem stehe man ordentlich unter Druck, was den Absatzmarkt betreffe. Ein Risiko bestehe auch bei diversen Viruserkrankungen und Schädlingen, die die Gemüsepflanzen befallen können. Deshalb gelten strenge Hygienevorschriften im Gewächshaus, führte er fort. Darüber hinaus arbeitet Naderer mit sogenannten Raubmilben, die als Nützlinge gegen Läuse eingesetzt werden. Fragen musste der Gemüsebauer außerdem zu den Themen Düngen und Bodenanalyse beantworten. Dafür interessierten sich die Studierenden sehr. Ein reger Austausch entwickelte sich, als es um den Punkt Fachkräfte und Saisonarbeitskräfte im landwirtschaftlichen Betrieb ging. Für die Zukunft möchte der Betriebsleiter in ein weiteres Gewächshaus investieren und sich vergrößern. Er betonte am Ende der Betriebsbesichtigung, dass er anfangs einfach begonnen hat und sich dann nach und nach Verbesserungspotenzial entwickelte.
Ratschläge, Austausch und Innovationsimpulse
Mit vielen neuen Eindrücken und Informationen endete der Schultag „Einkommensalternativen“. Die 26 Studierenden lernten unterschiedliche Strategien und individuelle persönliche Ansprüche kennen. Die Studierenden zeigten sich darüber beeindruckt, dass alle besuchten Betriebe in erster Linie auf Mundpropaganda setzen und kaum Marketingmaßnahmen ergreifen. „Die Exkursion ergänzt den theoretischen Unterricht durch unmittelbare Betriebsrealität und zeigt, wie alternative Einkommensquellen und unternehmerische Entscheidungen zum Betriebserfolg beitragen können. Die Studierenden profitieren von den Erfahrungen anderer. Der Praxisbezug ist für den Unterricht unverzichtbar“, sagte Semesterleiter Peter Liebhardt abschließend.