Alltagskompetenzen stärken durch Workshops
Dorfhelferinnen vermitteln Gymnasiasten Praxiswissen
12 junge Frauen absolvieren ihre Fortbildung zur Dorfhelferin an der Dr.-Eisenmann-Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen, Abteilung Hauswirtschaft. Im Rahmen der Projektwoche „Alltagskompetenzen“ der 7. Klassen am Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen gestalteten die Dorfhelferinnen Workshops.
Diese vermitteln den Schülerinnen und Schülern Praxiswissen und machen sie fit für den Alltag. Mitte Juli 2026 starteten rund 180 Siebtklässlerinnen und Siebtklässler in die Projektwoche des Schuljahres 2025/2026. Zwei Klassen nahmen an den Workshops der Dorfhelferinnen teil; die fünf anderen siebten Klassen durchliefen parallel das Lernprogramm „Erlebnis Bauernhof“ und lernten Alltagskompetenzen aus landwirtschaftlicher Perspektive kennen.
Von den drei angebotenen Workshops durften sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7b und 7g zwei aussuchen. Zur Auswahl standen Workshops aus den Bereichen Kochen, Nähen und Gestalten. Die Planungsphase für die Projekttage begann einige Wochen im Voraus. Dabei arbeiteten die angehenden Dorfhelferinnen in Eigenregie. Bis zum fertigen Workshop waren viele Schritte nötig: ein Konzept erarbeiten, eine Infotafel mit den Arbeitsschritten anschaulich gestalten, Material für den Workshop beschaffen und einen Flyer erstellen, der den Workshop noch einmal vorstellt. Viele Jugendliche wählten einen Bereich, in dem sie bisher noch keine Erfahrungen gesammelt hatten.
Station 1: Schulküche - "Stabile Snacks"
In der Schulküche bereiteten die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten Hähnchen-Nuggets mit Mango-Dip aus Hähnchenbrustfilet und Mango zu; aus Hefeteig entstanden Zimtschnecken, deren Duft durch das gesamte Gebäude der Landwirtschaftsschule zog. Die Jugendlichen waren eifrig bei der Sache, sehr zur Freude der Dorfhelferinnen.
„Das ist gar nicht so schwer“, meinte Max, der die Zimtschnecken zubereitete. „Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Sache super gemacht. Die Snacks können sie nun zu Hause ganz einfach nachmachen und vielleicht ihre Familien und Freunde damit überraschen“, freuten sich die Dorfhelferinnen Pia, Andrea, Annalena, Anna, Johanna und Jule vom Küchenteam.
Dressing für den Nudelsalat
Station 2: Textilraum – "DIY-Mäppchen"
Helena, Rebecca und Melanie hatten sich ein Upcycling-Projekt für die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten überlegt. „Aus einer alten Jeanshose lässt sich ein tolles DIY Schlampermäppchen nähen“, erklärt Helena den Workshopteilnehmerinnen und Workshopteilnehmern. Bevor es an die Nähmaschinen geht, erklären die drei jeden Schritt und demonstrieren an der Nähmaschine, worauf die Schülerinnen und Schüler achten müssen. Der 13-jährige Kevin startet zunächst langsam drückt aber dann ordentlich aufs Pedal der Nähmaschine. „Ich wollte das einfach einmal ausprobieren, ich habe gehört, dass Nähen Spaß macht“, sagt er und versäubert die Ränder weiter.
Erklärung der Arbeitsschritte
Station 3: Schulhof – "Nagelbilder mit WOW-Effekt"
„Uns war es ein besonderes Anliegen, den Schülerinnen und Schülern etwas Nachhaltiges anzubieten, etwas, das sie mit nach Hause nehmen und dort nachmachen können“, erklärte Tabea. „Um all unseren Anforderungen gerecht zu werden, haben wir lange im Internet nach einem Thema für unseren Gestaltungs Workshop gesucht, bis wir auf die dekorativen Nagelbilder gestoßen sind. Sie vereinen alle Anforderungen, die wir an den Workshop hatten“, ergänzte eine weitere Dorfhelferin. Mit Dreieckschleifer, Wollresten, Nägeln und einer Birkenholz Scheibe machten sich die Jugendlichen ans Werk. Lorenz ist erfahren im Umgang mit Werkzeug und hat zu Hause schon öfter handwerklich gearbeitet; mit dem Dekoobjekt will er seiner Mutter eine Freude machen. „Ein schönes, selbstgemachtes Geschenk oder Mitbringsel, das Kreativität und Gemeinschaft fördert und zudem nachhaltig ist“, freut sich Dorfhelferin Emilia.
Erklären der Arbeitsschritte
Erster Schritt: Schleifen
Blumen machen das Bild perfekt
Zaungäste bei den Workshops
Die Workshops stießen nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse. Eine Delegation des Bayerischen Bauernverbands warf den Jugendlichen bei einem Rundgang einen Blick über die Schulter und verfolgte das rege Treiben. Bei dieser Gelegenheit besichtigten die Verbandsvertreter die in die Jahre gekommene Schulküche, die in naher
Zukunft modernisiert werden soll. Der Neuburg-Schrobenhausener Kreisobmann Martin Wendl vom Bayerischen Bauernverband (BBV) und der Eichstätter Kreisobmann Johannes Scharl vom BBV waren ganz in ihrem Element – beide berichteten von ihrer Leidenschaft fürs Kochen. Michael Forster (Geschäftsführer des BBV), Waltraud Daniel (Kreisbäuerin des BBV Kreisverbands Pfaffenhofen/Ilm) und Manfred König (Kreisobmann des BBV Kreisverbands Pfaffenhofen/Ilm) gehörten außerdem zur Delegation.
Gemeinsame Herausforderung gelöst
Bevor es für die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler zum gemeinsamen Mittagessen ging und alle die „Stabilen Snacks“ aus dem Küchenworkshop genießen durften, stand noch eine Klassenaufgabe auf dem Programm. Im Lehrsaal hatten die Dorfhelferinnen bereits alles für ein interaktives Escape-Spiel vorbereitet. In dem Spiel kämpfen die Teilnehmenden gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung, mit dem Ziel, die Weltbevölkerung im Jahr 2083 vor einer Hungerkatastrophe zu bewahren. Bereits nach 30 Minuten gelang es der Klasse, im Team die Aufgabe zu lösen und die rettenden Codes zu entschlüsseln.
Hähnchen-Nuggets mit Mango-Dip
Alltagskompetenzen in Hauswirtschaft und Landwirtschaft
Während ein Teil der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten an der Landwirtschaftsschule mit den Dorfhelferinnen Workshops besuchte, konnte der andere Teil seine Alltagskompetenzen auf landwirtschaftlichen Betrieben stärken – beispielsweise auf dem Hof der Familie Furtmayr in Scheyern im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.
Moderne Landwirtschaft mit Zimt und Zitrone
Zunächst stand ein Hofrundgang auf dem Programm. Die Bäuerin Anita Furtmayr zeigte den Schülerinnen und Schülern verschiedene Geräte und landwirtschaftliche Maschinen und erklärte deren Einsatzbereiche. Auf den Boxenlaufstall hatten sich die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler schon gefreut. Die Kühe Zitrone und Zimt begrüßten die Jugendlichen neugierig, und sorgten mit ihren Namen für heitere Stimmung. Als Furtmayr ihr Handy zückte und in einer App die Gesundheitsdaten der Tiere überprüfte, staunten die Jugendlichen: Sie hatten nicht damit gerechnet, dass in der Landwirtschaft Softwareanwendungen für Smartphones zum Einsatz kommen.
Die Jugendlichen waren sich einig:
„Das ist ja cool. Das erleichtert die Arbeit sicher.“
Furtmayr erklärte anschließend genauer, wie das System funktioniert: Die Kühe schlucken einen sogenannten Bolus, der im Magen verbleibt und Daten wie die Körpertemperatur an das Smartphone sendet. Außerdem wurden die Jugendlichen über die Futterzusammensetzung informiert und durften selbst Futter anmischen und verfüttern. Abschließend testeten sie, wer am geduldigsten war und wer durch kräftiges Schütteln Sahne in Butter verwandeln konnte.
Futtermischung zubereiten
Plattform AKO – „Alltagskompetenzen – Schule fürs Leben“
Um das Thema Alltagskompetenzen an noch mehr Schülerinnen und Schüler zu bringen, haben die Landfrauen des Bayerischen Bauernverbands mit dem Staatsministerium die Online-Plattform „AKO“ initiiert. Ziel ist es, Schulen mit landwirtschaftlichen Betrieben sowie Fachexpertinnen und -experten zu vernetzen und die Zusammenarbeit bei schulischen Projekten rund um Alltagskompetenzen zu erleichtern. Die Schülerinnen und Schüler sollen auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden, indem sie Kompetenzen erwerben, die im privaten und beruflichen Alltag benötigt werden. Die Plattform befindet sich derzeit im Aufbau; Anbieterinnen und Anbieter beziehungsweise weitere Akteure können sich registrieren, damit Schulen passende Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden.
Plattform AKO „Alltagskompetenzen – Schule fürs Leben“