"Auf alle Fälle vorbereitet"
So funktioniert Notfallvorsorge

Das Hochwasser 2024 oder der tagelange Stromausfall in Berlin 2025 haben gezeigt, dass unser gewohnter Alltag durch Ereignisse wie diese schnell beeinträchtigt werden kann. Bricht die Versorgungsinfrastruktur zusammen oder ist sie maßgeblich in Gefahr, wirkt sich das auf die Verpflegung der Bevölkerung aus. Geschäfte für die Grundversorgung können nicht öffnen oder sind schlicht nicht erreichbar. Das ist ein Ausnahmezustand, der im Vorfeld durch eine Notfallvorsorge abgesichert werden kann. Die Studierenden der Landwirtschaftsschule Ingolstadt, Abteilung Hauswirtschaft, haben in einem Projekt das Thema aufgegriffen und wertvolle Tipps zusammengetragen.

Wenn es mit der Versorgung knapp wird, weil der Wohnort beispielsweise für mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten ist, ist eine sinnvolle Vorratshaltung von entscheidender Bedeutung. Solange das Stromnetz noch intakt ist, fließt Wasser, es kann gekocht werden und der Kühlschrank kühlt.

Die richtige Lagerung als Basis

Frau steht vor einem Kühlschrank aus Pappe und redetZoombild vorhanden

Richtige Lagerung

Vorratshaltung beginnt bereits bei der richtigen Lagerung der Lebensmittel, um eine möglichst lange Haltbarkeit zu gewährleisten. Die Studierende Sabrina Ostermeier erklärte, welche Fächer im Kühlschrank für welche Lebensmittel vorgesehen sind. Denn in jedem Fach herrscht eine andere Temperatur. Fleisch und Fisch gehören im Kühlschrank nach unten. Eier finden in der Kühlschranktür Platz; hier herrschen etwa 9 Grad Celsius. Im mittleren Bereich bewahrt man am besten Essensreste oder zubereitete Lebensmittel auf; für Milchprodukte wie Butter, Käse oder Joghurt eignen sich die oberen Fächer im Kühlschrank.
Im Fall eines Stromausfalls sollte jedoch ein gewisser Grundvorrat, der nicht gekühlt werden muss, zur Verfügung stehen. Eine gut gefüllte Speisekammer bzw. ein gut gefüllter Vorratskeller helfen im Notfall.

Vorratshaltung bei Energieproblemen, Krisen und Katastrophen

Frau steht vor einem Schaukasten und redetZoombild vorhanden

Vorratshaltung ohne Strom

Eine gute und ausgewogene Ernährung kann dank einer Notfallvorratshaltung gewährleistet werden. Wertvolle Tipps zur Art der Lebensmittel und den empfohlenen Mengen kamen von Marina Krämer. Die angehende Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung erläuterte, wie sich ein idealer Vorrat für eine Person für drei Tage zusammensetzt:

Empfohlene Vorratsmenge für eine Person für drei Tage

  • 6 Liter Wasser
  • 1 Packung Haferflocken bzw. Müsli
  • 1 Liter haltbare Milch
  • 750 Gramm abgepacktes Brot
  • 450 Gramm Brotaufstrich
  • 400 Gramm Obst
  • 1 Packung Kekse
  • 300 Gramm Nüsse bzw. Trockenfrüchte
  • 100 Gramm Streichfette
  • 1200 Gramm Gemüse, schälbar oder roh essbar
Lebensmittel sind aufgebautZoombild vorhanden

3-Tages-Vorrat für eine Person

Ein Vorrat für zehn Tage wird empfohlen. Die Mengen müssen an die Anzahl der Haushaltsmitglieder angepasst werden. Ein Vorratskalkulator ist auf der Homepage des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zu finden.
Die Vorräte gilt es regelmäßig zu überprüfen. Falls das Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt, sollten die Lebensmittel verbraucht und ersetzt werden.

Lebensmittel selbst haltbar machen

Lebensmittel sind in einem Schraubglas Zoombild vorhanden

Verschiedene Methoden um Lebensmittel haltbar zu machen

Nicht nur gezieltes Einkaufen ist eine Möglichkeit, um das eigene Lager zu füllen. Mit Hilfe verschiedener Methoden lassen sich größere Mengen Obst, Gemüse, Fleisch und sogar Suppen für eine Weile haltbar machen. Einkochen, Trocknen oder Fermentieren sind gängige Verfahren. Die Studierende Martina Briller hat sich mit den einzelnen Methoden vertraut gemacht und Vor- und Nachteile erläutert.

Einkochen als einfaches Beispiel

Zwei Frauen bereiten in einer Schulküche etwas zuZoombild vorhanden

Die Methode "Einkochen"

In der Schulküche zeigten Theresa Bittlmayer und Veronika Osiander, wie sich einige der Methoden in der Praxis umsetzen lassen. In einer Schritt- für-Schritt-Anleitung kochten die beiden angehenden Ernährungsfachkräfte Rote Beete ein und erklärten, worauf dabei zu achten ist.
  • Gläser und Deckel auf Beschädigung überprüfen, damit sie sicher luftdicht abschließen
  • Obst/Gemüse muss einwandfrei sein, um Einbringen von Keimen zu verhindern
  • Gläser und Deckel 3 Minuten sprudelnd auskochen, um Keime abzutöten
  • Abtropfen lassen, nicht auswischen!
  • Gemüse vorgaren, Rote Beete wurden im Dampfgarer zubereitet
  • In Form bringen: Stifte, Scheiben oder Mus
  • Gläser damit befüllen, wichtig ca. 1 cm bis zum Rand frei lassen
  • Ist Obst/Gemüse nicht flüssig, z.B. Rote Beete Stifte, mit Sud aus Essig, Wasser, Zucker, Salz und Pfeffer auffüllen
  • Gläser fest verschließen und in Einkochtopf oder Ofen geben
  • Je nach Inhalt ist Dauer und Temperatur des Einkochens unterschiedlich, Rote Beete 30 Minuten bei 90 Grad
  • Herausnehmen und abtropfen lassen
  • Beim Abkühlen entsteht ein Vakuum
  • Nach 1-2 Tagen noch einmal überprüfen ob Glas dicht, Vakuum vorhanden
  • Haltbarkeit: Mehrere Wochen bis sogar mehrere Jahre je nach Inhalt
Eine Frau bereitet in einer Schulküche etwas zuZoombild vorhanden

Rote Bete werden in Form gebracht

Vorratshaltung ist nicht nur in Krisenzeiten sinnvoll, es bietet darüber hinaus viele Vorteile und erleichtert den Alltag.
Mit dem Projekt wollen die Studierenden der Landwirtschaftsschule Ingolstadt, Abteilung Hauswirtschaft für Vorratshaltung werben und die Kampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus mit dem Titel: „Auf alle Fälle vorbereitet – Mein Vorratskorb!“ unterstützen.

www.vorratshaltung.bayern.de Externer Link

Eine Schautafel mit Texten und Bildern

Trocknen von Lebensmitteln

Eine Schüssel mit getrockneten Apfelscheiben und ein Apfel davor

Getrocknete Apfelchips

Zwei Frauen stehen in einer Schulküche und halten eine Schüssel in der Hand

Die Studierenden zeigten verschiedene Möglichkeiten

Ernährungsnotfallvorsorge als Thema beim Tag der offenen Tür

Drei Frauen stehen vor LebensmittelnZoombild vorhanden

Projekt Notfallvorsorge

Das erworbene Fachwissen zum bewussten Vorsorgen und klugen Haushalten teilen die Studierenden gerne beim Tag der offenen Tür am 8. März 2026. Dort wird das Thema Ernährungsnotfallvorsorge den Besuchern vorgestellt.
Die zum Amt gehörende Fachschule bildet Fachkräfte für Ernährung und Haushaltsführung aus. Unterrichtet wird in Teilzeit, der Besuch der Schule ist kostenfrei. Ein neues Schulsemester startet in Ingolstadt im März 2027 und in Schrobenhausen im März 2026.

Landwirtschaftsschule Ingolstadt, Abteilung Hauswirtschaft